Ein Ritual zur Wintersonnenwende

Ein Ritual zur Wintersonnenwende

Dunkelheit ehren. Licht bewusst neu entzünden.

Am 21. Dezember erreicht das Jahr seinen dunkelsten Punkt. Die Wintersonnenwende markiert nicht nur die längste Nacht, sondern auch den Beginn der sogenannten Heiligen Nächte und den Übergang in die Rauhnächte. Eine Zeit, die seit jeher dem Innehalten, dem Rückzug und der stillen Erneuerung gewidmet ist.

Früher wurden in dieser Nacht alle Feuer gelöscht. Nicht aus Angst, sondern aus Achtung. Um sie anschließend neu zu entzünden – bewusst, gemeinschaftlich, verantwortungsvoll. Das Herdfeuer stand dabei im Zentrum des Hauses. Es war Lichtquelle, Wärmespender, Treffpunkt und Schutz zugleich. Wer dieses Feuer hütete, trug Verantwortung für das Leben im Haus.

Dieses Ritual der Erneuerung erinnert uns daran, dass echter Neubeginn nicht im Frühling entsteht, sondern viel früher. In der Dunkelheit. Dort, wo Samen unsichtbar keimen, wo Wurzeln Halt finden und wo Neues vorbereitet wird, lange bevor es sichtbar wird.

Die Kraft der Dunkelheit neu verstehen

Dunkelheit wird oft mit Unsicherheit verbunden. Mit Kontrollverlust, mit Stillstand, manchmal sogar mit Angst. Dabei ist sie Ursprung von allem. Die Wurzeln der Bäume liegen im Dunkeln. Die Samen der Blumen ruhen unter der Erde, bevor sie im Licht erblühen.

Die Wintersonnenwende lädt uns ein, diese Dunkelheit nicht zu verdrängen, sondern ihr zu vertrauen. Sie schenkt Schutz, Geborgenheit und Tiefe. Sie macht leise. Und genau darin liegt ihre Kraft.

Ich gehe vor diesem Ritual gerne spazieren. Ohne Ziel, ohne Musik. Nur um mich mit der Natur zu verbinden und ganz bewusst in die Stille zu gehen.

Ein bewusstes Ritual zur Wintersonnenwende

Dieses Ritual ist eine Einladung. Du kannst es anpassen, verkürzen oder einzelne Elemente für dich herausnehmen. Wichtig ist nicht die Perfektion, sondern die Haltung: Achtsamkeit, Respekt und Ruhe – besonders im Umgang mit Feuer und Licht.

Das symbolische Herdfeuer

Entzünde eine Ritualkerze und stelle sie in deiner Küche in die Nähe des Herdes. Sie steht stellvertretend für das Herdfeuer, die zentrale Feuerstelle des Hauses. Bleibe einen Moment bei ihr stehen und erinnere dich daran, dass Feuer immer Wärme und Verantwortung zugleich bedeutet. 

Reinigung mit Wacholder 

Koche einen Sud aus Wacholderholz und Wacholderspitzen. Lass ihn etwas abkühlen und wische damit deine Wohnung. Wenn du möchtest, reichen auch Fensterbänke oder Türrahmen. Wacholder wurde traditionell zur Wintersonnenwende verwendet, um Räume zu reinigen und Schutz zu symbolisieren. Seine festen, stechenden Nadeln galten als Abwehr gegen alles, was nicht bleiben sollte.

Dunkelheit zulassen


Lösche nun die Kerzenflamme und schalte alle Lichter aus. Räuchere deine Wohnung in der Dunkelheit mit Wacholder. Öffne dabei die Fenster, damit Altes gehen darf. Geh bewusst durch jeden Raum. Langsam, ruhig, aufmerksam. Auch das Wischen mit dem Wacholdersud kann in dieser Dunkelheit stattfinden.

Die Dunkelheit ehren


Wenn das Räuchern beendet ist, nimm dir Zeit für die Dunkelheit selbst.
Ich persönlich liebe es, ein Wacholderbad zu nehmen. Dazu lasse ich gesammelte oder gekaufte Wacholderzweige kurz im warmen Wasser ziehen und bade anschließend in völliger Dunkelheit.

Spüre, wie die Dunkelheit dich umhüllt. Wie sie schützt. Wie sie beruhigt. Wie sie dich still werden lässt.
Wenn es sich stimmig anfühlt, sprich mit ihr. Erzähle ihr, wofür du dankbar bist. Teile deine Gedanken, deine Ideen, deine Sehnsüchte und Wünsche.

Das neue Licht einladen


Wenn du dich verbunden fühlst, entzünde eine neue Kerze. Am besten wieder in der Küche, als Symbol für das neu entfachte Herdfeuer.
Spüre bewusst den Unterschied. Wie sich Licht nach der Dunkelheit anfühlt. Nimm dir einen Moment, um auch das Licht zu ehren – nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Geschenk.

Entzünde an dieser Flamme weitere Kerzen und stelle sie in deine Fenster. So strahlt das Licht nach außen und das Neue darf symbolisch in dein Leben eintreten.

Stille und Dankbarkeit


Wenn alle Fenster leuchten, ziehe dich mit einem Kräutertee zurück. Sitze in der Stille. Verbinde dich mit der Energie des Neubeginns. Für mich ist das ein Moment tiefer Dankbarkeit und Verbundenheit. Oft meditiere ich in dieser besonderen Atmosphäre.

Atme zum Abschluss noch einmal bewusst ein und aus. Und beende so dein Ritual – ruhig, klar und getragen.

ASK THE FOX Gedanke zum Schluss

Feuer ist seit jeher ein Symbol für Leben, Gemeinschaft und Neubeginn. Aber es ist nie etwas, das wir achtlos behandeln sollten. Dieses Ritual erinnert uns daran, wie kraftvoll bewusster Umgang sein kann – mit Licht, mit Dunkelheit und mit allem, was uns wärmt und schützt.

Die Wintersonnenwende ist kein lauter Neustart. Sie ist ein leiser. Und vielleicht gerade deshalb der ehrlichste.